Politik

Liebe Nachbarn und entfernte Freunde

Angenommen, Sie haben eine Menge Atommüll, den Sie lagern müssen, wo ist der beste Ort dafür? An einem Ort, an dem jeder am wenigsten leidet, würde man sagen. Doch die Schweiz wählt nun einen umstrittenen Standort: an der Lippe ihrer deutschen Nachbarn.

Im Dorf Hohentengen (viertausend Einwohner), zwei Kilometer vom geplanten Speicher entfernt, reagieren die Dorfbewohner mit Fassungslosigkeit und Besorgnis auf die Nachrichten aus der Schweiz. Matthias Braun, der Chef der Schweizer Organisation Nagra, die für die Lagerung radioaktiver Abfälle zuständig ist, schwört, dass er in den nächsten zehn Jahren nichts bauen, geschweige denn lagern wird. Er will sich zunächst viel Zeit für einen Dialog mit den Anwohnern nehmen.

Laut Braun ist die Nagra seit Jahrzehnten auf der Suche nach einem geeigneten Lagerort. Also ist es jetzt da. In der Region Nördlich Lägern eignet sich das Gestein am besten für die unterirdische Lagerung, so der Nagra-Chef. Er sieht vor, ab 2050 Atommüll in der Region unterzubringen.

Auf der anderen Seite der Grenze sind deutsche Politiker jedoch besorgt über die Folgen für die Trinkwassergewinnung in der Region. Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz hat sich nun in die Sache eingeschaltet. Deutschland selbst werde das Lager jenseits der Schweizer Grenze jedenfalls nicht für deutschen Atommüll nutzen, erklärte Scholz. Er will das Thema auch mit der Schweizer Regierung diskutieren. Darüber hinaus sollte es eine Regelung für den Ausgleich möglicher Schäden geben.

Zuvor hatte das Schweizer Energieministerium geschätzt, dass rund achthundert Millionen Schweizer Franken benötigt werden, um Land zu kaufen und die beteiligten Gemeinden zu entschädigen. Das Lager wird sich auf einer Fläche von sechs bis acht Hektar befinden; Es wird die Enteignung von rund 22 Grundbesitzern erfordern. Es besteht die Möglichkeit, dass sich die Schweizer in einem Referendum zur Speicherung äußern müssen.

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