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Beste Lagerung von Atommüll nach Schweizer Grenznähe

Nach 50 Jahren Suche scheint die Schweiz einen Ort gefunden zu haben, an dem sie ihren gesamten radioaktiven Atommüll für die nächsten Hunderttausende von Jahren lagern kann: direkt an der Grenze zu Deutschland. Nicht alle Nachbarn sind darüber glücklich.

„Mit großer Überraschung nehmen wir die Entscheidung zur Kenntnis“, sagte Martin Benz, Bürgermeister von Hohentengen, in einer Erklärung auf der Website der Gemeinde. Die deutsche Stadt liegt gleich hinter der Grenze, 2,3 Kilometer vom geplanten Lagerbunker im Schweizerischen Nördlich Lägern entfernt.

Zuvor hatte die NAGRA, die Schweizer Organisation, die mit der Suche nach einem Endlager für Atommüll beauftragt ist, denselben Standort als Option abgelehnt. Laut dem Bürgermeister habe die NAGRA bei einem Treffen sogar gesagt, dass „jeder seriöse Experte überlegen würde: Hände weg von diesem Ort“.

Eine Frage progressiver Einsicht, sagen die Schweizer. Nachdem die NAGRA den Standort zuvor als ungeeignet abgelehnt hatte, beschwerte sich die Schweizer Nuklearsicherheitsbehörde. Die Begründung für die Ablehnung war nach Ansicht der (teilweise auch deutschen) Experten zu dünn.

Weitere Recherchen folgten. Und diesmal war das Fazit, dass Nördlich Lägern immer noch der beste Ort ist. Der Boden wäre fester als gedacht. „Die damalige Einschätzung war zu vorsichtig“, sagte die NAGRA selbst. Die anderen beiden Orte, die als Option geprüft wurden, liegen übrigens auch an der deutschen Grenze.
Millionen Jahre altes Wasser

Laut der Organisation geht es um eine besondere Art von Stein dort im Boden, ‚Opalinuston‘ auf Deutsch. Diese ist idealerweise undurchlässig und sollte daher wenig Leckagen oder Strahlung durchlassen. Wenn sich Risse um den Speicher bilden, verschwinden sie von selbst, da der Stein aufquillt, sobald er mit Wasser in Berührung kommt. Außerdem kann das Material radioaktive Substanzen an sich binden, so dass sie dort verweilen.

An dem jetzt gewählten Standort ist die geeignete Bebauungsfläche die größte und die Qualität des Gesteins die höchste. In seinen Poren wären Spuren von Millionen Jahre altem Wasser entdeckt worden, was darauf hindeuten sollte, dass niemals etwas austritt.

Die Regierung in Berlin sagt, sie werde den Vorschlag mit der Schweizer Regierung besprechen und fügt hinzu, dass bisher eine gute Zusammenarbeit erzielt wurde. Darüber hinaus wird in Deutschland erwartet, dass die Schweizer weiterhin die relevanten deutschen Gemeinden berücksichtigen werden.

Von einer Entschädigung ist bereits die Rede. Für den deutschen Landkreis Waldshut, ebenfalls gleich hinter der Grenze beim geplanten Lagerbunker, scheint der Stich weitgehend ausgeschlossen. Allerdings gibt es hier und da noch Bedenken hinsichtlich möglicher Einflüsse auf das Grundwasser, die angegangen werden müssen.

In einer gemeinsamen Erklärung sagen die lokalen Verwalter, dass sie erkennen, dass der Boden an der Grenze für eine Lagerung am besten geeignet ist. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass das Strahlenrisiko nicht an der Grenze halt macht.

„Daher gibt es auf deutscher Seite die immer wieder formulierte Erwartung, dass wir als Nachbarn sowohl im Verfahren als auch bei allfälligen Schäden genauso behandelt werden wie die Schweizer Gemeinden und Kantone.“

Sowohl die Schweizer als auch die Deutschen haben nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. Die Schweizer lassen sich dafür viel Zeit: Die Kernkraftwerke laufen weiter, solange es sicher ist, aber es werden keine neuen gebaut.

In Deutschland sollen in diesem Jahr eigentlich die letzten drei Atomkraftwerke geschlossen werden, aber aufgrund der Energiekrise können sie im Notfall wahrscheinlich noch einige Monate weiterlaufen. Radioaktive Abfälle entstehen nicht nur in Kernkraftwerken, sondern auch bei der Herstellung von Substanzen für die medizinische Behandlung. Es wird einfach weitergehen.

Anders als in der Schweiz ist die Suche nach einem Endlager für Atommüll in Deutschland noch in vollem Gange. Dennoch scheint es ausgeschlossen, dass die beiden Länder nun ihre Kräfte bündeln und einen gemeinsamen Lagerbunker an der Grenze bauen.

„Wir sind für unseren Abfall selbst verantwortlich“, sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums der Tagesschau. „Das ist ein anerkannter Grundsatz“, sagte die Schweizer Seite.

Die Entscheidung für die Einlagerung in Nördlich Lägern ist noch nicht rechtskräftig. Der Vorschlag wird zunächst von den deutschen und schweizerischen Behörden geprüft. Dann müssen Bundesrat und Parlament zustimmen, eventuell auch das Schweizer Volk per Referendum. Der Baubeginn wird nicht vor 2045 erwartet.

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