Kultur

Starpianistin im KKL: Umarmung durch das Orchester

Erfolg zieht Erfolg an. Anschauungsunterricht dazu gab’s am Mittwochabend im KKL: Da war – nach deutlich nicht ausverkauften Konzerten – der Konzertsaal wieder einmal voll. Es spielten keine prominenten Gäste, sondern das Luzerner Sinfonieorchester in einem normalen Abokonzert. Das Besondere war lediglich, dass das Orchester nach Martha Argerich (zur Saisoneröffnung) jetzt die andere Grande Dame des klassischen Pianos präsentierte: die Russin Elisabeth Leonskaja (73) im zweiten Klavierkonzert von Brahms.

Damit reihte sich das Konzert in die jüngsten Erfolgsmeldungen zum Orchester ein. Da war der letzte Woche vergebene Tourismus-Award, der die Leistung des Luzerner Sinfonieorchesters als internationaler Kulturbotschafter Luzerns würdigte und es gleich auch der «internationalen Spitzenliga» zurechnete, auf die es mit dem jüngst von Michael Pieper gestifteten Fonds (15 Millionen Franken) längerfristig hinarbeiten will.

Generationen- Treffen

Zuvor hatte das LSO auch den «Junge-Ohren»-Preis erhalten, die renommierteste Auszeichnung für Musikvermittlungsprojekte im deutschsprachigen Raum. Ausgezeichnet wurde nicht nur die Jugendarbeit des Orchesters, sondern auch dessen soziales Engagement: Ein Beispiel dafür steht nächste Woche auf dem Programm, mit einem Lunchkonzert, das sich auch an ältere Menschen mit Demenz richtet.

Spannend am Konzert vom Mittwoch war, dass sich dieses selber in die Aktivitäten zwischen Jung und Alt einreihte und dadurch eine existenzielle Note bekam. In Konzerten der Woche zuvor nämlich sassen mit Louis Schwizgebel und Sunwook Kim zwei vorzügliche Jungpianisten am Flügel, und jetzt also die 73-jährige Leonskaja. In der Tat glaubte man den Unterschied zu hören: Leonskaja unterliefen vielleicht ein paar mehr ungewollte Töne, ohne dass das ihrer virtuosen Souveränität Abbruch tat. Vor allem aber war ihr Spiel weit entfernt von der kühlen Distanziertheit bei Schwizgebel und fand auch ohne individuelle Eigenwilligkeiten – bei Kim – zu einem persönlichen, klanglich wunderbar geformten Ausdruck: ein Auftritt, der quasi das Alter feierte, wenn man es so erleben darf.

Das Hornsolo zu Beginn des zweiten Klavierkonzerts von Brahms legte ihr gleich den roten Teppich aus: Leonskaja führte sich kammermusikalisch und ohne Solistenpose in das von Thomas Dausgaard geleitete Orchester ein und steigerte den Klavierpart in solistischen Passagen zu immer entspannter, aber breit aufgefächerter Klangkraft und Grandezza.

Mehr Unruhe als Sogkraft

Seine Magie verdankte ihr Spiel einer Kantabilität, die die Linien natürlich auf Ausdruckshöhepunkte zusteuerte oder ins Mysteriöse zurücknahm, ohne dass man ein vordergründiges Rubato wahrnahm. Im zweiten Satz brachte sie mit mächtigen Bässen auch mal zentnerschwere Klangkraft ins fröhliche Fest mit ein und tänzelte sich im Finale schwerelos frei. Das Orchester wurde im langsamen Satz mit der herrlichen singenden Cellogruppe zum umarmenden kammermusikalischen Partner der Solistin und brachte das Werk herb leuchtend zum enthusiastischen Abschluss. Weltspitze? Hier war sie, mit einer solchen Solistin, ganz nahe.

Die vierte Sinfonie von Brahms hinterliess nicht ganz diesen geschlossenen Eindruck. Dausgaard setzte die auch rhythmischen Finessen von Brahms’ Musik detailreich in Szene und fasste sie, wo sich die Verästelungen und Verschiebungen bündeln, zur grossen Geste. Aber die lebhaften Tempi führten mitunter mehr zu Unruhe als zu Sogkraft. Eine Aufführung, die vor allem durch die vielen wunderschönen Einzelleistungen der einzelnen Register bestach, aber doch auch auf sinfonisches Gewicht zielte. Und die damit gespannt macht auf die weiteren Brahms-Akzente – Requiem, 1. Klavierkonzert – dieser Saison.

Lunchkonzert, Freitag, 14. Dezember, 2018, 12.30, Konzertsaal, KKL: Zaïde Streichquartett, Dionysis Grammenos, Klarinette (Mozart, Haydn, Puccini).

Quelle: luzernerzeitung.ch

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