Makroökonomie

Nestlé vor milliardenschwerer Sonderdividende?

Der cash Insider berichtet über Spekulationen rund um die Aktien von Nestlé. Er äussert sich bei dieser Gelegenheit zum aktuellen Börsenumfeld und zieht eine weitere Zwischenbilanz bei seinen Aktienfavoriten.cash Insider

Bild: fotolia.com

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An den Aktienmärkten hat zweifelsohne ein Umdenken stattgefunden. Nicht nur, dass Kursschwächen nicht mehr länger zum Kauf von Aktien genutzt werden – vielmehr werden Kurserholungen genutzt, um sich von Aktien zu trennen. Auf „buy the dip“ folgt „sell the rally“ – wie das im angelsächsischen Börsenjargon so schön heisst.

Strotzten die Banken und ihre Strategen vor Jahresfrist nur so vor Zuversicht für die Aktienmärkte, werden immer öfter auch vorsichtigere, wenn nicht gar warnende Stimmen laut. Das gilt insbesondere für Christopher Potts von Kepler Cheuvreux, über den ich seit etwas mehr als zwei Jahren regelmässig berichte. Der viel beachtete Stratege sieht die langjährige Börsenhausse einen langsamen Tod sterben und sagt für die nächsten Wochen eine letzte Gelegenheit vorher, sich von Aktien zu trennen. Ab dann stehe mehr denn je der Kapitalerhalt im Vordergrund, so lässt er durchblicken (siehe «Letzte Gelegenheit naht, sich von Aktien zu trennen» vom 11. Oktober und Stratege rechnet mit «letztem Hurra!» vom 22. November).

Das würde auch erklären, weshalb seit wenigen Wochen Milliarden von ausländischen Franken in Aktien wie jene von Nestlé oder Givaudan fliessen. Die beiden Unternehmen führen ein weitestgehend von der Weltwirtschaftsentwicklung unabhängiges Eigenleben – sofern es so etwas überhaupt gibt.

Bei Nestlé zeichnet sich zudem ab, dass die an L’Oréal gehaltene Beteiligung nicht länger in Stein gemeisselt scheint. Als Käuferin des Aktienpakets muss einmal mehr die französische Kosmetikherstellerin selbst herhalten. Schliesslich war sie es, die in der Vergangenheit ein Interesse signalisierte.

Sollte sich Nestlé – wie aus Frankreich eintreffende Spekulationen besagen – tatsächlich von der 30 Milliarden Franken schweren L’Oréal-Beteiligung trennen, wäre den Aktionären eine satte Sonderdividende so gut wie sicher. Der amerikanische Milliardär Dan Loeb und sein Hedgefonds Third Point wären dann am Ziel angelangt.

Ob das den Aktien des Nahrungsmittelkonzerns aus Vevey auch wirklich die erhofften Kursimpulse verleihen würde, ist allerdings fraglich. Denn noch nie zuvor wurde den „harten Fakten“ an den Aktienmärkten auch nur annähernd eine so geringe Bedeutung beigemessen wie zuletzt.

Immer öfter bestimmen Maschinen darüber, in welche Richtung sich die Kurse bewegen. Algorithmen sind konstant auf der Suche nach bekannten Kursmustern. Stossen sie auf solche, erteilen sie innerhalb von Sekundenbruchteilen Kauf- oder Verkaufsaufträge. Je nach Schätzungen sind die Maschinen – oder besser gesagt der Programmhandel – für 60 bis 80 Prozent der weltweiten Handelsvolumina verantwortlich. Wer braucht da noch „harte Fakten“ (siehe auch Wer sind die geheimnisvollen Aktienverkäufer? vom 28. November)?

Ob sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 16 auf Basis der nächstjährigen Schätzungen nun im langjährigen Durchschnitt bewegt, die Dividendenrendite mit 3 Prozent historisch betrachtet attraktiv ist oder die durchschnittliche Eigenkapitalrendite hiesiger Unternehmen bei stolzen 15 Prozent liegt – das alles scheint die Maschinen nicht weiter zu interessieren.

Auch dass die kurzfristigen Zinsen in der Schweiz noch immer im negativen Bereich liegen, zählt nicht. Der angelsächsische dominierte Programmhandel stützt sich auf den risikofreien Dollar-Zinssatz ab. Und der liegt bei fast 3 Prozent.

In diesem Börsenumfeld Geld zu verdienen, ist schwierig, kein Geld zu verlieren fast unmöglich. Die Liste der regelrecht abgestürzten Aktien wird von Tag zu Tag länger. Die leidgeplagten Aktionäre von Aryzta (-97 Prozent), AMS und GAM (-68 Prozent), Meyer Burger (-53 Prozent) oder U-blox (-50 Prozent) dürften wissen, wovon ich schreibe.

Jüngstes Opfer ist der Infrastrukturspezialist Implenia. Die Ankündigung ausserbörslicher Wertberichtigungen in Höhe von 70 bis 90 Millionen Franken radierte innerhalb von zwei Handelstagen eben mal schnell mehrere Hundert Millionen Franken an Börsenwert aus.

Dass sich keines der genannten Unternehmen auf meiner Liste der Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2018 befindet, ist da nur ein schwacher Trost. Denn mit einem durchschnittlichen Minus von 12,61 Prozent schneiden die Aktien deutlich schlechter als der um gerade mal 1,87 Prozent tiefere Swiss Performance Index (SPI) ab.

So abgedroschene Phrasen wie „Wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen, der hat sie auch nicht, wenn sie steigen“ machen die Zwischenbilanz nach etwas mehr als elf Monaten leider auch nicht besser. Wenigstens liessen sich aber mit den Dogs of the SMI seit Ende Dezember 1,34 Prozent verdienen. Wie die vergangenen Wochen zeigen, schützt eine hohe Dividendenrendite also doch vor Kursverlusten.

Wie es im nächsten Jahr weitergehen könnte, dazu werde ich mich noch ausgiebig äussern. Wichtige Erkenntnisse erhoffe ich mir von den ersten Januar-Tagen, entscheiden diese für gewöhnlich doch über das gesamte Börsenjahr (siehe «Die Stimmung dürfte spätestens im Februar kippen» vom 9. Januar).

Bilanz der letzten Jahre

Jahr
Aktienfavoriten
SPI
2013
+40,1 Prozent
+23,9 Prozent
2014
+11,4 Prozent
+15,2 Prozent
2015
+4,1 Prozent
+2,4 Prozent
2016
-3,7 Prozent
-1,7 Prozent
2017
+23,6 Prozent
+20,1 Prozent
2018*
-10,8 Prozent
-1,6 Prozent

* Schlusskurse vom 4. Dezember 2018

Getreu dem Motto „Totgesagte leben länger“ wiesen die Genussscheine von Roche die stärkste Kursentwicklung auf. Es ist schon ziemlich beeindruckend, wie sich die Genussscheine des Basler Pharma- und Diagnostikkonzerns – allen Unkenrufen zum Trotz – aus ihrem Stimmungstief befreien konnten.

Man kann Konzernchef Severin Schwan zwar für sein überaus üppiges Salär kritisieren. Allerdings beweist er ein feines Gespür, wenn es darum geht, die Erwartungen der Anleger und Analysten in die richtige Richtung zu lenken.

Im Hinblick auf das kommende Jahr reicht das vermutlich nicht mehr. Ab dann sind überzeugende strategische Würfe gefragt. Ich bleibe dabei: Roche wird nicht darum herum kommen, die nicht mehr zeitgemässe Kapitalstruktur zu überdenken und sich bei dieser Gelegenheit auch gleich das von Novartis gehaltene Aktienpaket einzuverleiben.

Der Industriekonzern ABB sowie LafargeHolcim sind ebenfalls gefordert. Jan Jenisch scheint mir genau der richtige zu sein, um LafargeHolcim wieder in die Erfolgsspur zu bringen. Ob sich dasselbe von Ulrich Spiesshofer bei ABB sagen lässt, dessen bin ich mir nicht länger sicher. Vermutlich ist es mit einer Abspaltung des Stromnetzgeschäfts alleine nicht getan (siehe Erste Verkaufsempfehlung für ABB in diesem Jahr vom 3. Dezember).

Aktuelle Positionen Aktienfavoriten

Titel
Anzahl
Einstand
akt. Wert*
Erfolg

Barmittel
 
 
12’707,55
 
 
ABB N
385
26,00
   7’730,80
-2’279,20
-22,77 Prozent
Credit Suisse N
780
12,83
   9’246,90
-760,50
-7,60 Prozent
LafargeHolcim N
182
54,95
   8’099,00
-1’901,90
-19,02 Prozent
Nestlé N
120
83,40
 10’320,00
+300,00
+2,99 Prozent
Roche GS
40
246,80
 10’352,00
+480,00
+4,86 Prozent
Basilea N
132
75,50
   6’672,60
-3’293,40
-33,05 Prozent
Clariant N
400
25,50
   7’968,00
-2’232,00
-21,88 Prozent
Dufry N
69
144,80 
   7’203,60
-2’787,60
-27,90 Prozent
OC Oerlikon N
600
16,87
   7’086,00
-3’036,00
-29,99 Prozent
 
 
 
 
 
 
Total
 
 
87’386,45
 
-12,61 Prozent

* Schlusskurse vom 4. Dezember 2018

Dass sich bei Nestlé grössere strategische Veränderungen abzeichnen, davon berichtete ich bereits. Ich persönlich sähe es nicht gerne, wenn Konzernchef Mark Schneider dem öffentlichen Druck nachgeben und sich vom L’Oréal-Paket trennen würde – nur um den Aktionären anschliessend eine Sonderdividende entrichten zu können.

Ich plädiere vielmehr dafür, dass das L’Oréal-Paket den Aktionären als Sachdividende ausgeschüttet wird. So kann jeder Aktionär selber entscheiden, ob er daran festhalten oder sich über den offenen Markt davon trennen will.

Aktuelle Positionen «Dogs of the SMI»

Titel
Anzahl
Einstand
akt. Wert*
Erfolg

Barmittel
 
 
  2’262,30
 
 
LafargeHolcim N
185
53,90
  8’232,50
-1’739,00
-17,44 Prozent
Roche GS
41
244,00
10’610,80
+606,80
+6,07 Prozent
Swisscom N
19
520,50
  9’133,30
-756,20
-7,65 Prozent
Swiss Re N
108
92,20
  9’886,32
– 71,28
-0,72 Prozent
Zurich N
33
298,10
10’348,80
+511,50
+5,20 Prozent
 
 
 
 
 
 
Total
 
 
50’474,02
 
+1,34 Prozent

* Schlusskurse vom 4. Dezember 2018

Etwas ratlos macht mich die Kursentwicklung der Aktien von Oerlikon, wobei sich die jüngste Kursschwäche nicht mit firmenspezifischen Gründen erklären lässt. Vielmehr fielen die Papiere des Industriekonzerns dem Ausverkauf bei europäischen Automobilzulieferaktien zum Opfer. Und das, obwohl die Abhängigkeit von den Grosskunden aus der Automobilindustrie mit dem Verkauf von Drive Systems an die amerikanische Dana geringer geworden ist und der Zeitpunkt für eine Übernahme des Oberflächentechnologiegeschäfts von Linde günstig scheint (siehe Bei diesen Firmen bahnt sich etwas Grosses an vom 3. Dezember). Ob und wie die Börse auf eine solche Grossübernahme reagieren wird, dürfte nicht zuletzt vom Kaufpreis abhängig sein.

Noch nicht den erhofften Erfolg stellte sich bisweilen bei den Aktien der Credit Suisse ein (siehe Ist die CS-Aktie ein «blinder» Kauf? vom 5. November). Wobei ich an dieser Stelle noch einmal klarstellen möchte, dass kurzfristige Überlegungen rund um den diesjährigen Investorentag vom 12. Dezember zu diesem Engagement führten. Auf längere Sicht bleibe ich bei meiner negativen Haltung für sämtliche drei Schweizer Grossbankaktien. Im Zuge des Todesstosses für das Bankgeheimnis und der schier erdrückenden Dominanz der amerikanischen Rivalen im Investment Banking müssen die hiesigen Branchengrössen ihr Geschäftsmodell neu erfinden. Ich bin jedenfalls jetzt schon gespannt, ob die Credit Suisse nächste Woche endlich etwas Überzeugendes aus dem Hut zaubert. An der Stop-Loss-Limite bei 11,30 Franken halte ich bis dahin fest.

Bisherige Transaktionen

Datum
Titel
 
Anzahl
Kurs
 
Total
29.12.2017
Burckhardt N
Kauf
32
315,50
Franken
10’096,00-
29.12.2017
Roche GS
Kauf
40
246,80
Franken
9’872,00-
29.12.2017
Basilea N
Kauf
132
75,50
Franken
9’966,00-
29.12.2017
Nestlé N
Kauf
120
83,50
Franken
10’020,00-
29.12.2017
Dufry N
Kauf
69
144,80
Franken
9’991,20-
29.12.2017
ABB N
Kauf
385
26,00
Franken
10’010,00-
29.12.2017
LafargeHolcim N
Kauf
182
54,95
Franken
10’000,90-
24.01.2018
Burckhradt N
Verkauf
32
364,25
Franken
11’656,00+
07.02.2018
Clariant N
Kauf
400
25,50
Franken
10’229,00-
15.02.2018
Put WLHBRV
Kauf
3’640
0,25
Franken
939,00-
05.03.2018
Put WLHBRV
Verkauf
3’640
0,36
Franken
1’281,40+
16.04.2018
Call AMIFJB
Kauf
3’300
0,455
Franken
1’530,50-
16.04.2018
Put AMPRJB
Kauf
3’300
0,455
Franken
1’530,50-
24.04.2018
Call AMIFJB
Verkauf
3’300
0,09
Franken
268,00+
24.04.2018
Put AMIFJB
Verkauf
3’300
0,971
Franken
3’175,30+
04.05.2018
OC Oerlikon N
Kauf
600
16,87
Franken
10’151,00-
04.05.2018
Put DUFATZ
Kauf
2’760
0,17
Franken
498,20-
08.05.2018
Put DUFATZ
Verkauf
2’760
0,12
Franken
364,00+
29.05.2018
Meyer Burger N
Kauf
4’500
1,12
Franken
5’069,00-
13.06.2018
Meyer Burger N
Verkauf
4’500
0,98
Franken
4’381,00+
23.08.2018
AMS I
Kauf
145
69,26
Franken
10’071,70-
07.09.2018
AMS I
Verkauf
145
70,20
Franken
10’150,00+
05.11.2018
Credit Suisse N
Kauf
780
12,83
Franken
10’036,40-

 

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