Sozium

Türkische Gemeinden schmuggeln Einwohner nach Deutschland

Die Tatsache, dass nur 43 der 45 Teilnehmer an einem von der Gemeinde Malatya (Ostanatolien) organisierten Projekt von einer Studienreise nach Hannover zurückkehrten, löste Alarm aus: War es vielleicht eine geplante Aktion, über das Projekt legal nach Deutschland zu kommen? Das war es, es stellte sich bald heraus, und Malatya war nicht die einzige: Es gibt jetzt Ermittlungen gegen mindestens sieben Gemeinden wegen Menschenhandels.

Das Konzept ist einfach. Sie organisieren ein Projekt, vorzugsweise etwas mit Kultur oder Umwelt / Nachhaltigkeit, zu dem eine Studienreise nach Deutschland gehört. Sie rekrutieren Leute, die kommen wollen und sie sechs bis zehntausend Euro bezahlen lassen. Dafür erhalten sie ein Ticket und einen grauen Pass, als Zeichen dafür, dass sie für ein Regierungsprojekt unterwegs sind, was die Erlangung eines Visums erheblich vereinfacht. Die zuständigen Kommunalbeamten stecken das Geld in die Tasche, die Projektteilnehmer landen dort, wo sie sein wollen: irgendwo in Deutschland, meist zur Arbeit.

Die betroffenen Gemeinden sind im ganzen Land verstreut. Einige werden von der Regierungspartei AKP geführt, aber es gibt auch Gemeinden, die von der größten Oppositionspartei CHP und der kleineren IVI-Partei geführt werden.

Einer der Menschen, die auf diese Weise in Deutschland gelandet sind, sprach mit der unabhängigen Türkei. Einige Inhaber von grauen Pässen beantragen Asyl, aber die meisten tun dies nicht, weil sie der Meinung sind, dass es nicht glaubwürdig ist, Asyl zu beantragen, wenn Sie einen grauen Pass haben. Er kam aus der östlichen Provinz Bingöl und ging hauptsächlich zur Arbeit. Er erzählt, dass sein Pass nach der Ankunft in Deutschland genommen wurde und er arbeitet jetzt ohne Papiere in der Bauindustrie. „In Bingöl gab es keine Arbeit, keine Macht. Ich war hungrig. Meine Frau starb und ich habe einen Sohn. Wenn ich genug Geld verdiene, um ihn glücklich zu machen, ist der Rest nicht wichtig.’

Allein nach Angaben des Mannes wären etwa fünfhundert Menschen aus seiner Heimatstadt über ein „Projekt“ nach Deutschland gereist. Wie viele Fälle bundesweit betroffen sind, ist noch unklar, aber möglicherweise Zehntausende. Sowohl das türkische Innenministerium als auch die deutschen Behörden haben Ermittlungen aufgenommen.

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